Meditation

IMG_4620-PSIn unserer unruhigen und paradoxen Welt scheint ein uraltes heilendes Element immer mehr an Bedeutung zu gewinnen: die Meditation.

Es gibt Meditationsformen, die viele tausend Jahre alt sind, sich aus Schamanismus, dem altindischen Yoga der Upanischaden entwickelt haben und durch Erfahrungen großer Meditationsmeister zur Vollkommenheit gebracht wurden. Der historische Buddha ist hier in ganz besonderer Weise zu nennen.

Aber, wäre es nicht ungewöhnlich, wenn in dieser verwirrenden Welt nicht auch der Begriff der Meditation immer mehr verwässert und unklar würde? Was ist Meditation also – oder was ist sie möglicherweise nicht? Um unserer Sprachverwirrung zunächst mal in einem abgrenzendem Sinne entgegenzutreten, sollten folgende Begriffe vielleicht nicht mit formeller Meditation verwechselt werden:

Trance, Tanz, schamanistisches Trommeln, Hypnose, Traumreisen, autogenes Training, Entspannungsübungen, die meisten Formen des Betens, Selbstsuggestion, Affirmationen, Joggen, Tagträumen oder entspanntes Fernsehen. Natürlich sind viele Formen der Entspannung unter Umständen sehr hilfreich, aber Meditation hat doch noch einmal eine ganz andere Dimension.

Die gute Nachricht ist: Fast alles, was heilsam ist oder uns unterstützt kann Meditation sein, wenn es mit der Konzentration von unbedingter Achtsamkeit ausgeführt wird. Das verlangt allerdings ein nicht unerhebliches Maß an geistiger Sammlung und Übung in der Achtsamkeit.

 

Ein kleiner Überblick über die verschiedenen Traditionen der Meditation:

  • Aus alten Höhlenzeichnungen schließen wir, das schamanistische Meditation schon über 15.000 Jahre existieren.
  • Die christliche Meditation scheint Ihre Traditionen nicht in die Neuzeit mit übernommen zu haben. Sie war geprägt durch die Wüstenväter des 3. Jahrhunderts und die Mystiker des Mittelalters, wie Teresa von Avila und Meister Eckhart. Die Zwiesprache mit Gott und die Kontemplation allerdings waren weit verbreitete Elemente.
  • Im jüdischen Glauben wird offensichtlich der Meditation nicht mehr all zuviel Aufmerksamkeit geschenkt. Es gibt aber auch hier das Element der Kontemplation und des trance ähnlichen Singens.
  • Die Sufi Meditation entspringt dem Islam. Sufis glauben, dass ihre Tradition weit über Mohammed und Buddha bis hin zum ersten erleuchteten Menschen gehen. Sie besteht in Atemübungen, Konzentration und Rezitationen. Die Sufis sind allerdings eine besondere mystische Gruppierung im Islam und eher eine Ausnahmeerscheinung.
  • Im Hinduismus spielt die Meditation geschichtlich eine wesentliche Rolle. Man kann sie viele Jahrtausende zurückführen. Die Meditationen des klassischen Yoga wurden im 2. Jahrhundert nach Chr. von Patajali im Yoga Sutra beschrieben. Es beruht auf 8 verschiedenen Versenkungszuständen auf denen die meisten Yogaschulen bis heute beruhen.
    Der Buddha selbst hatte mehrere Meditationslehrer aus der indischen Tradition und bezieht sich in seinen Lehren teilweise auf die Schule der Upanishaden. Auf dieser Tradition konnte der Buddha sein System der Meditation von Samatha und Vipassana aufbauen und entwickeln. Während jedoch die indische Traditionen alle auf der Annahme einer Seele beruhen, gehen alle buddhistischen Traditionen von der Philosophie des An-Atman (Nicht-Seele) aus.

 

Die wesentlichen buddhistischen Meditationen verschiedener Traditionen sind:

Tibetan GompaDIE SAMATHA MEDITATION
(Verweilen in tiefer Ruhe) Der Fokus wird auf ein Objekt gerichtet. Das Objekt können Gegenstände, Farben etc. sein oder es wird auf den Atem gerichtet, auf das Ein- und Austreten des Atems an der Nasenspitze oder auf die Auf- und Abbewegungen der Bauchdecke. Sie wird in einer bequemen Sitzhaltung ausgeübt, vorzugsweise im Lotussitz oder auf einem Stuhl. Die tiefe Erfahrung der Ruhe unterstützt eine friedliche Haltung im Alltag und verändert subtil gewohnheitsmäßige Muster und möglicherweise psychisch ungünstige Bedingungen.

Diese Meditation sollte, wie alle meditativen Übungen, regelmäßig und über längere Zeit ausgeübt werden. Oft geht sie einher mit einem Glücksgefühl und einer Erfahrung tiefen Friedens. Die Samatha Meditation kann auch eine vorbereitende Übung für Vipassana sein, das ist jedoch nicht unweigerlich so, da Vipassana als Voraussetzung Samatha enthält. Samatha ist mehr auf eine Vorstellung, ein Konzept gerichtet, während Vipassana sich mit der Einsicht in die Realität der Dinge befasst.

DIE VIPASSANA MEDITATION
(Einsichts Meditation) Sie bildet das Herz der Buddhistischen Praxis, wie sie der historische Buddha überliefert hat. Durch diese Meditation ist ein tiefes Erkennen in die Ursachen des Leidens möglich und die Überwindung desselben. Durch das Erkennen von Unbeständigkeit, Leiden und Nicht-Selbst können verschiedene Meditationsstufen erreicht werden, die zur Befreiung führen.
Vipassana und Achsamkeit gehen Hand in Hand. Für die Vipassana Meditation ist jedoch eine andere Form der Achtsamkeit erforderlich als die „gewöhnliche“ Achtsamkeit. Vipassana-Meditation ist wie Samatha nicht an eine bestimmte Religion gebunden.

Manchmal geht den beiden Meditationsformen eine Body-Scan Meditation (Achtsamkeit für den Körper) voraus. Hier wird der Übende in einem langsamen Ablauf durch die wesentlichen Organe, Muskeln und körperlichen Empfindungen geführt. Er wird sich seines Körpers mit allen zusammenhängenden Elementen bewusst. Diese Übung stärkt das Bewusstsein für den eigenen Körper und die Achtsamkeit.

DIE METTA MEDITATION
Die Meditationen der BRAHMA VIHARAS (4 göttliche Verweilzustände) unter denen besonders die METTA Meditation ausgeübt wird. Sie dient der Entwicklung von Liebe und Selbstliebe. Hierbei werden zunächst 4 Metta Wünsche meditativ verinnerlicht:
„Möge ich sicher sein, friedlich, gesund, und Verantwortung für mich übernehmen.“
Danach werden diese Wünsche auf andere Lebewesen in der näheren sozialen Umgebung ausgeweitet, um schliesslich auf alle Lebewesen (nicht nur Menschen) ausgerichtet zu werden. Die Tiefe der Empfindungen ist dabei ein wesentlicher Faktor für die Veränderungen, die durch diese Meditation entstehen und für die Ausweitung der Fähigkeit zu lieben. Diese Meditation ist eine Form des Samatha.

Ausser diesen Übungen gibt es eine große Anzahl meditativer Praktiken aus dem südlichen Buddhismus, wie Ihn der historische Gautama Buddha gelehrt hat.

Aus den Lehren des Buddhas haben sich ebenfalls andere Schulen entwickelt, wie zum Beispiel die nördliche Schule des Chan (Zen) Buddhismus:

DIE ZEN MEDITATION
Die japanische Formen der Zen Meditation sind oft durch eine große strukturelle Klarheit und eine Reduktion auf das Wesentliche begleitet. Das Ziel ist es, die Einsicht in die Essenz des Geistes zu erreichen. Neben den sehr formellen, strikten Za-Zen Übungen werden Gehmeditation und verschiedene Abwandlungen der Meditation geübt, welche geeignet sind die Aufrechterhaltung der Achtsamkeit im den Alltag fortzuführen.
Die Koreanische Form der Zen Meditationen werden heute im wesentlichen von dem Meditationsmeister Thich Nhat Hanh vertreten. Seine Form baut auch Brücken hin zum südlichen Buddhismus, verinnerlicht verschiedene psychologische Elemente und benutzt oft eine westliche, poetische Sprache und kann so leicht nachempfunden werden. Hier werden die Elemente der Achtsamkeit und der Herzensgüte betont.
Zen Meditation wird heute auch von einigen christlichen Priestern und Mönchen gelehrt.

DIE MEDITATIONEN IM TIBETISCHEN BUDDHISMUS
Als der Buddhismus nach Tibet kam, traf er auf eine lebendige schamanistische Tradition. Inzwischen hatten sich auch in Indien verschiedene buddhistische Geistesschulen etabliert, die unter dem Begriff Mahayana ihren Weg nach Tibet fanden. Das Buddhistische System in Tibet ist sehr komplex und beinhaltet natürlich auch die wesentlichen Grundlagen der Meditation, wie Samatha und Vipassana. Allerdings finden sich hier weiterentwickelte oder veränderte Meditationsformen wie Dzog Chen oder Maha Mudra wieder. Darüber hinaus war das System des Buddhistischen Tantra in Tibet sehr verbreitet. Diese oft geheimen Lehren sind nur unter Anleitung eines Lehrers zu verstehen. Sie gehen einher mit intensiven Meditationen, die oft in einer langen Klausur stattfinden.
Meditationen über Bodhicitta (Liebe) und Sunyata (nicht unabhängige Existenz) sind der Kern der Meditationen und sie haben einen ganz hohen Stellenwert. Der Dalai Lama betont diese Meditationen: meditative Kontemplationen über die Nicht-Seelenhaftigkeit des Ichs und die zusammengesetzte Abhängigkeit aller Existenz, der Formen und Dinge und Ereignisse räumt er eine große Bedeutung zu.
Der tibetische Buddhismus hat in den 70er bis in die 90 Jahre große Anhängerschaften im Westen gefunden. Auch hier hat er durch exzellente Lehrer teilweise ein Anpassung an westliche Traditionen erfahren. Heute findet in einigen tibetischen Zentren auch eine gewisse Wiederentdeckung der Grundlagen des Samatha / Vipassana statt.
Unter den vielen Formen der tibetischen Meditation finden sich Mantra Rezitationen, Visualisationen, kontemplative Versenkungen, die Entwicklung von Bodhicitta (erwachender Geist des Mitgefühls), tantrische Entwicklungsstufen und wie bereits erwähnt, die Entwicklung von Dzog Chen und Maha Mudra (direkte Erkenntnis der ursprünglichen Natur des Geistes, vergl. dem Zen).

Zur Entwicklung des Geistes eine Bodhisattvas (Altruistischer Ansatz) wäre zu erwähnen die TONGLEN Meditation.
Durch Visualisation übt sich der Meditierende in der Annahme von Ungewollten oder Unangenehmen Elementen beim Einatmen und der Zusendung an andere Lebewesen von Freudvollem, Offenheit und Liebe beim Ausatmen.

 

All-Tags MEDITATIONEN IM ZENTRUM

IMG_4635In der täglichen Praxis (7.00-8.00 und 18.30 – 19.30 Uhr, jeder ist willkommen). bevorzugen wir die Samatha und die Vipassana Meditation. Beide sind vollkommen religionsneutral und eignen sich in besonderer Weise Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Sie führen zu einer friedlichen und doch intensiv-lebendigen Grundhaltung, die sich als äußerst nützlich erweist. Ein weiteres wichtiges Element der täglichen Meditation ist die Entwicklung von Liebe und Selbstliebe durch Metta. Gemeinsames Meditieren ist ein sehr wohltuender konstanter Faktor und wurde vom Buddha besonders betont (Sangha). In jedem Fall ist die Kontuinität bei allen Übungen wichtig für alle verändernden Prozesse.

 

  • Offene Meditation, Dienstags von 19.30 – 21.00 Uhr. Es handelt sich auch hier ebenfalls um eine religionsneutrale offene Meditation, die von Rolf Klein geleitet wird. Er ist ausgebildet in der westlichen Tradition eines Jon Korbat-Zinn ( Mindfulnes Based Stress Reduction). Rolf bezieht sich allerdings besonders auf die Ursprünge dieser Techniken im Buddhismus.
    1. Sonntag im Monat in ACHTSAMKEIT.
    Auch hier wird den Meditationen der Achtsamkeit, wie sie aus der buddhistischen Tradition kommen, Raum gegeben. Dazu entsteht eine kleine Gemeinschaft, in der eine gemeinsame Mahlzeit, Gehmeditationen und Gespräche stattfinden.
    2. Sonntag im Monat TARA Rezitationen. Rezitieren von Texten aus der tibetischen Tradition und Meditationen der Weiblichen Form des Buddhas gewidmet.
    Jeden 2. Montag im Monat ZEN. In der Tradition der klassischen Zen Meditationen in Verbindung mit konzentrativen Übungen im Bogenschießen.

 

 MEDITATIONSKURSE

Sayadaw U Tejaniya-Retreat 2016

Sayadaw U Tejaniya-Retreat 2016

Die „klassischen“ Meditationskurse sind meist intensive Schweigeretreats. Der Tagesablauf ist stark strukturiert und beginnt mit den ersten Meditationen sehr früh am Morgen. Man verbringt mehrere Stunden am Tag in formeller Meditation, unterbrochen von Gehmediation oder achtsamer Tätigkeit.
Solche Klausuren werden z.B. durch die Meditationsmeister Sayadaw U Tejaniya, Bhante Dhammadipa oder Visu Teoh angeboten. Sie finden mehrmals über das Jahr auf dem Pauenhof statt. Oft eröffnen sich bei den Teilnehmern viele neue Möglichkeiten heilsamer Aspekte und gehen einher mit einer Veränderung der Lebensgewohnheiten. Meist dauern sie etwa 7 bis 10 Tage, manchmal auch nur ein Wochenende.

Balken-blau